Abenteuer Irland – smoochy.de

Weihnachten 2009

Veröffentlicht am 29. Dezember 2009, 01:58 Uhr

Wie soll in diesem verkorksten Land eigentlich Weihnachtsstimmung aufkommen? Seit Dienstag habe ich Spätschicht, das bedeutet von 12 Uhr bis 20.30 Uhr. Wieso diese utopischen Arbeitszeiten, das werd ich in einem folgenden Artikel nochmal erklären. Jedenfalls bedeutet es, jeden Abend zu bangen, ob noch einer dieser versch…. Busse kommt. Und prompt war es auch an diesem Dienstag schon soweit. Sowohl der 20.10 Uhr Bus, als auch der 20.35 Uhr Bus kam einfach nicht (wir haben Kollegen an der Haltestelle getroffen, die vor uns Schluss hatten, darum können wir sagen, dass der 20.10er Bus nicht da war).
Bedeutete also, bei schweinekaltem Wetter 20 Minuten in die Stadt runterlaufen, oder ein Taxi zu rufen und dann damit ins Zentrum zu fahren. Wir entschieden uns für letztere Lösung.

Am 24.12 galt ein anderer Schichtplan: 8.00 Uhr bis 16.30 Uhr. Und was soll ich sagen: sowohl der 7.10er, 7.20er und 7.30er Uhr Bus kam nicht. Daraufhin ein Stück in die Stadt gelaufen, um an der St. Patrick-Street ein Taxi zu nehmen. Doch da war absolut keins. Zum Glück hupte hinter uns ein anderer Arbeitskollege und so kamen wir noch rechtzeitig auf Arbeit. Wieder die Weihnachtsstimmung im Arsch. Dieser verkackte Nahverkehrsverein in Cork ist einfach das letzte.

Das Arbeiten am 24.12 wiederrum war relativ entspannt. Nicht so viele Anrufe und einigen Kunden konnte man noch ein kleines Weihnachtsgeschenk machen.

Abends ging es dann zu einer Arbeitskollegin. Ein bereits liebevoll gedeckter Tisch wurde später noch mit Blumenkohlsuppe, Kartoffeln, Sauerkraut und Bratwürstchen versehen. Danach noch Pudding mit Früchten. Sehr schöner Abend, sehr leckeres Essen.

Naürlich gab es auch noch ein längeres Telefongespräch mit Mama. Diese befindet sich momentan im Skiurlaub in Österreich und poked andere Abfahrer von der Piste.

Am 25.12 ging es zu einer ehemaligen Arbeitskollegin. Vorsuppe, ein riesen Geflügelvieh, Kartoffeln, Mörchen, Rosenkohl, Erbsen und zusätzlich zu dem Vogel noch Schinken. Dazu gereicht eine leckere Notfallsoße. Deluxe.

Insgesamt waren wir 8 Leute, darunter ein Freund des Hausherren. Dieser “Freund”, hatte zum einen einen ätzenden englischen Akzent, zum anderen ging er jedem mit seinem dämlichen, lauten Gelaber nach kürzester Zeit auf den Sack.
Es gäbe nur 5 Leute oder so in ganz Irland, die handwerklich so begabt sind wie er (er war irgendwie Dachdecker) und das doch unsere Welt nur von jüdischen Bänkern regiert wird.

Nach dem großen Fressen haben wir uns gegenseitig dann bei Singstar mit so goldenen Perlen wie “Barbie Girl”, “Every breath you take”, “Our house”, “I would do anything for love” und anderen gequält. An die “Back for good”-Performance von letzter Woche von Martin und mir reichte allerdings nichts ran. Auch hier hatte der Engländer mit beitragen müssen, versagte bei dem Lied aber sowohl bei Textsicherheit und allgemeiner Stimmleistung noch mehr als wir alle zusammen. Eventuell lags an dem Alkoholpegel.

Zwischendurch haben wir uns dann gegenseitig noch kleinere Sachen zugewichtelt. Die Regeln sind eigentlich recht einfach: Würfelt man eine 1, kann man sich ein Geschenk vom Tisch nehmen (falls man noch keins haben sollte), bei einer 3 muss man das Geschenk mit irgend einem anderen tauschen, bei einer 6 muss man das Geschenk, dass man momentan besitzt, auspacken.
Doch selbst diese simplen Regeln haben dazu geführt, dass der Typ jedesmal nachfragte wenn er dran war, was er nun machen müsste. Ein paar andere Dinger, die er sich dabei noch geleistet hat, lasse ich besser unerwähnt.
Zur “Wer bin ich?” Runde war er dann Gott sei Dank nicht mehr da. Ich glaub der hätte einem von uns noch “Adolf Hitler” an die Stirn geklebt.

Sebastian musste am Samstag dann arbeiten. Deshalb fuhr er kurz nach 1 Uhr los. 10 Minuten später klingelte bei einem von uns das Telefon. Dran war Sebastian, der uns informierte, dass er momentan im Schrittempo nach Hause fährt, da alle Straßen mit Blitzeis beglückt waren. Da wir unsere Singstar-Session allerdings noch nicht abbrechen wollten, bestellten wir ein Taxi erst so gegen 1.40 Uhr.
Am Telefon wurde uns noch zugesichert, dass es rund 20 Minuten dauern würde, bis das Taxi da ist. 20 Minuten vergingen. Nichts. 30 Minuten vergingen. Nichts. 40 Minuten vergingen. Kein Taxi.
Letztendlich richteten wir uns auf eine Übernachtung dort ein. Jacob und Bernd sicherten sich oben Matratzen, Martin die große Couch im Wohnzimmer und ich die kleine Klapp-Couch daneben. Wir haben 15 Minuten vergeblich versucht, die Klapp-Couch aus zu klappen. Vergeblich. Irische Top-Konstruktion.
Auf einmal knallte voll das Scheinwerferlicht durchs Wohnzimmer und n Handy klingelte. Das Taxi war da. Mittlerweile war es kurz vor 3 Uhr. Jedenfalls hatten wir uns bereits hingebettet. Martin fing direkt nach wenigen Minuten mit tierischt lautem Atmen an und murmelte unüberhörbar. Ein Glück, dass ich einen leichten Schlaf hab. Der Hauptgrund, warum ich letztendlich mich dafür entschied, jetzt doch noch mit dem Taxi in die Stadt zu fahren.

Das Taxi war ein relativ moderner Benz. Mit Traktionskontrolle und alle möglichen Schnick-Schnack. Und trotzdem rutschen wir, bei Schritttempo, auf der Straße hin und her. Für eine Strecke, die normalerweise um die 10 bis 15 Minuten Fahrt bedeutet haben wir etwas weniger als 45 Minuten gebraucht.
Ich hab mich bis zur Central Bus Station bringen lassen. Von dort warens nochmal knapp 400m bis nach Hause. Ich bin nur im Schneckentempo vorwärts gekommen. Das tollste war, dass der Weg über die Brücken einen leichten Anstieg hatten. Und dieser hatte bereits ausgereicht, dass ich mich dort nur noch seitwärts – wie die Langläufer einen Berg hinauf – bewegen konnte. Komischerweise auf der Nordseite von Cork war kaum etwas vereist.

In Deutschland würde das ganze durch den Streudienst geklärt werden. Nicht so in Cork. Hier kennen die sowas nichtmal. Zum Glück musste ich an dem Samstag nicht arbeiten, sonst hätte ich ein ernstes Problem gehabt. Denn Busse fuhren nicht und selbst Taxis weigerten sich zu fahren. Ein Arbeitskollege rief mich kurz nach 11 Uhr an und fragte nach der Handynummer unsereres Managers um ihn zu informieren, dass es noch etwas dauern würde, denn er kam den Berg nicht mit dem Auto hoch.

Samstag Abend stand dann die nächste Fressorgie an. Diesmal nichts aus der Richtung Weihnachten sondern Raclette. Wer es nicht kennen sollte, hier eine kurze Beschreibung: in einem handtellergroßen Metalldings kann man verschiedenes Esszeug reinpacken. Kartoffelscheiben, Wurstscheiben, Mais, Käse oder andere Sachen. Dies wird dann für 5-10 Minuten in das Raclette gestellt. Danach kratzt man es aus dem Metalldings auf seinen Teller und isst es mit einem einzigen Happs auf. Dieses Prozedere wiederholt man dann so ungefähr zwei Stunden lang. Dann ist man satt.

Bevor es losgehen konnte, musste allerdings noch Bölkstoff und Baguettes rangeschafft werden. Zusätzlich wollte ich wieder meinen weltberühmten Schwedenbecher zaubern, mit dem ich am Vorabend schon die Herzen hab höher schlagen lassen. Das ich das Rezept dafür von meinem Chef aus Dresden, wo ich 8 Jahre gekellnert hatte, habe, ist ja erstmal zweitens.
Deshalb erstmal zackig in den Off Licence gesprungen und ne Pulle Absolut Vodka Vanille für 29 Euro geholt. Kostet in Deutschland 13 Euro. Danach Richtung Tesco geflitzt. Dieses hatte praktischerweise auch noch am 26.12 geschlossen.
Was ich auf dem Weg dorthin schon gesehen hatte, war das so ein Centra geöffnet hatte.  Das ist so mit ner Art moderner Tante Emma Laden vergleichbar. Dort kann man sich zum Beispiel auch so Baguettes belegen lassen. Und auf die Baguettes hatte ich es abgesehen. Im ersten Centra gabs allerdings nichts mehr. Also in den zweiten. Und, als ob es eine göttliche Fügung gewesen wäre, wurden da gerade neun Stück frisch aus dem Ofen geholt. Sieben davon hab ich mir einpacken lassen. Hatte extra so zwei Tüten ihm hingehalten. Doch der Einstein dort meinte, es würde auch alles in eine passen. Sechs gingen grad noch so rein, die siebente lies die Tüte dann reißen und eins flog auf den Boden. Naja, jedenfalls wurden die Baguettes dann doch auf zwei Tüten verteilt. Ich bezahlte sieben Baguettes und einen Apfelsaft und trottete zufrieden Richtung Wohnung von dannen. Zumindest bis ich dann bemerkte, dass nur sechs Brötchen in den zwei Tüten waren. Also zurück in die Abzockerbude und das Siebente noch geholt. Danach nochmal in den Off Licence ein 24er Packen Bier eingekauft. Der Abend konnte beginnen.

Der Sonntag dann bedeutete für mich ausnüchtern, da ich meine Kompatibilität mit großer Alkoholmenge wieder überschätzt hatte. Außer zum Wäsche waschen und im Bett Filme glotzen konnte ich mich an dem Tag zu nichts animieren/motivieren.

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